Landesausstellung OÖ

Landesausstellung OÖ
Parz 1, 4710 Grieskirchen

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Landesausstellung NÖ

Dunkle Gestalten und düstere Zeiten?

Die 28. in der Geschichte Oberösterreichischer Landesausstellungen lockt unter dem Titel „Renaissance und Reformation“ ins frisch modernisierte Renaissanceschloss Parz im idyllischen Grieskirchen.

Landesausstellung NÖ

Schloss Parz in Grieskirchen zählt neben Schloss Hartheim zu den architektonisch bedeutendsten Renaissanceschlössern Oberösterreichs. Von offizieller Seite ist zum Austragungsort der Landesausstellung 2010 zu erfahren:
„Die kulturgeschichtliche Bedeutung von Parz ist zuallererst im Freskenzyklus an der südwestseitigen Fassade begründet, der um 1580 unter Sigmund von Pollheim entstand; Ende der 1980er Jahre wieder entdeckt bildet er das Glaubensbekenntnis des protestantischen Burgherrn ab“.

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Das Schloss selbst beschreibt sich derart: „Die Herrschaft Parz war ausgedehnt, selbst der Markt Grieskirchen, der 1613 zur Stadt erhoben wurde, zählte einst dazu. An der Südfassade des Landschlosses befindet sich ein europaweit einzigartiger Freskenzyklus, der sowohl künstlerisch als auch ikonographisch als Hauptwerk der österreichischen und der süddeutschen Renaissancekunst gilt. Er verkörpert die Weltsicht eines humanistisch-protestantischen Landadeligen am Ende des 16. Jahrhunderts. Zusammen mit dem Wasserschloss und dem umliegenden Park stellt die gesamte Schlossanlage Parz einen geradezu idealen Standort für die Landesausstellung dar.

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Über den so genannten „Parzer Höhenweg“ oder mittels Bummelzug ist der Ausstellungsstandort Schloss Parz bestens an das Stadtzentrum von Grieskirchen angebunden. Grieskirchen selbst präsentiert sich seinen Gästen als dynamische, kulturbewusste und pulsierende Bezirkshauptstadt, in der während der gesamten Dauer der Landesausstellung ein abwechslungsreiches Rahmenprogramm geboten wird“.

Landesausstellung NÖTrotz einer beachtlichen Historie Oberösterreichischer Landesausstellungen wurde das Thema „Renaissance und Reformation“ bisher nicht aufgegriffen. Überhaupt fristet die Renaissance per se, abgesehen von einer einzigen großen Ausstellung, der NÖ. Landesausstellung auf der Schallaburg im Jahr 1974 („Renaissance in Österreich“), als Thema eher ein Schattendasein. Nicht nur im wörtlichen Sinn. Bemerkenswerterweise ist die evangelische Kirche Oberösterreich direkter Partner der diesjährigen Landesausstellung.

Landesausstellung NÖDie Herren Univ. Prof. Dr. Karl Vocelka, Institut für Österreichische Geschichte der Universität Wien, und Univ. Prof. DDr. Rudolf Leeb vom Institut für Kirchengeschichte an der Ev.-Theol. Fakultät der Universität Wien, sowie die Historikerin und gebürtige Linzerin Dr. Andrea Scheichl, kreierten das inhaltliche Konzept dieser Landesausstellung. Der renommierte niederösterreichische Ausstellungsarchitekt DI Erich Woschitz schuf den an-, wie entsprechenden Rahmen.

Landesausstellung NÖDazu war aus dem Umfeld der Ausstellungsorganisatoren zu erfahren: „Das inhaltliche Konzept der Ausstellung zielt darauf ab, die Renaissance als Epoche des Aufbruchs aus der mittelalterlichen Enge, ja sogar als Beginn der Neuzeit im weitesten Sinne, zu dokumentieren. Eine Zeit, in der es nicht nur zur Entdeckung der Neuen Welt, zu zahlreichen technischen Errungenschaften und neuen naturwissenschaftlichen Erkenntnissen sondern auch zu neuen theologischen Sichtweisen gekommen ist. Die Entstehung und Ausbreitung der Reformationsbewegung in Europa steht dabei im zweiten Teil der Ausstellung ebenso im Mittelpunkt wie die Dokumentation der Entwicklung der Evangelischen Kirche im deutschen Sprachkreis, in Österreich und in Oberösterreich im Speziellen. Entscheidend, sowohl am inhaltlichen als auch am gestalterischen Konzept, ist, dass dieses nicht nur eine „statisch-chronologische“ Präsentation von wertvollen Kulturgütern zum Ziel hat, wozu natürlich die unzähligen kostbaren Exponate aus der Renaissance verlocken würden, sondern dass es vor allem Antworten auf die Fragen nach dem „Wie“ und „Warum“ gibt, die den unzähligen gesellschaftlichen Veränderungsprozessen in der Renaissance zu Grunde liegen“.

Aufbruchstimmung der Renaissance

Landesausstellung NÖAusgerechnet die Entdeckung der Neuen Welt bedeutete für Europa auch eine Epoche des Aufbruchs. Basierend auf einer Rückbesinnung antiker Traditionen und Werte, bringt dieses „neue“ Denken zahlreiche Errungenschaften in Kunst, Kultur, Wissenschaft und Technik hervor.
Für die Menschen bedeutete diese Epoche nicht zuletzt massive Veränderungen althergebrachter, gesellschaftlicher Werte. Die Ausstellung erklärt dazu: „Der Abkehr vom geozentrischen und der Hinwendung zum heliozentrischen Weltbild folgt im Bereich der Religion das Entstehen der Reformationsbewegung durch die Lehren Martin Luthers. Wenn auch Renaissance und Reformation nicht allerorts so deutlich sichtbare Spuren hinterlassen haben wie in anderen Ländern Europas, war diese Epoche für die Kultur- und Mentalitätsgeschichte des Landes ob der Enns doch über viele Jahrhunderte von prägender Bedeutung“.
Landesausstellung NÖGesamt gesehen punktet die diesjährige Oberösterreichische Landesausstellung auf Schloss Parz vor allem mit beachtlichen Einblicken in eine bis dato kaum gekannte Phase des „tiefen“ Mittelalters, die nicht zuletzt durch unzählige, in langjähriger Vorarbeit bestrecherchierten, teils einzigartigen Exponaten aus dem In- und Ausland geprägt wird.     

 

                                                                                      
Autor: Oliver H. Stadlbauer
(Quelle aller Installationen: Architekt DI Erich Woschitz)

 

alle Fotos ® 51a, b, c, d, e, f, g, h, i, j, k:  OÖ Landesmuseum, Graphische Sammlung