Eva Menasse:
Lässliche Todsünden

Nach ihrem beeindruckenden Debüt „Vienna“ meldet sich die Wiener Journalistin Eva Menasse mit ihrem zweiten Buch „Lässliche Todsünden“ zurück. In sieben Episoden spürt Menasse den sieben Todsünden nach und findet sie in ganz alltäglichem Geschehen. Dabei ist zwar jede Episode vordergründig einer Todsünde gewidmet, aber in deren Umfeld finden sich immer auch Spuren der anderen Todsünden. Und so wie Neid, Habgier, Wollust, Zorn, Trägheit, Hochmut und Gefräßigkeit miteinander verflochten sind, so stehen auch die Protagonisten der einzelnen Episoden in mehr oder weniger engen Beziehungen zueinander, die sich erst langsam offenbaren.

Die Verfehlungen der Protagonisten werden von Menasse dabei als alltäglich und irgendwie normal, jedenfalls aber meistens nachvollziehbar, eben lässlich, dargestellt, sie seziert ihre Figuren, gewährt Einblicke in deren Seelen und führt uns mehr oder weniger normale Menschen vor, die glatt unsere Nachbarn sein könnten – oder gar wir selbst in ihrer Durchschnittlichkeit und gleichzeitig Einzigartigkeit, denn hinter jeder Todsünde und jeder glatten Fassade steckt letzten Endes auch nur ein Mensch. Da ist Fritz, ein Familienvater mittleren Alters, frisch geschieden und zu faul, dem eigenen Glück auf die Sprünge zu helfen. Oder Ilka und ihr Sohn Joshi, beide voller aufgestauter, irrationaler Wut, die sich schließlich zum beiderseitigen Nachteil entlädt. Journalistin Nora wiederum kämpft damit, dass ihr Umfeld ihr permanent einredet, sie verdiene zu wenig und lasse sich ausnutzen, während sie gleichzeitig mit dem Neid der Kollegen leben muss. Humorvoll, poetisch, teilweise dramatisch und immer eindringlich – die Geschichten und Figuren Eva Menasses gehen einem lange nicht mehr aus dem Kopf.

 

Verlag Kiepenheuer &
Witsch, 2009. Gebunden,
253 Seiten, 19,50 Euro,

 


Heinrich Steinfest:
Gewitter über Pluto
Roman

Der Körper ist perfekt, die Seele nicht so wirklich: Lorenz Mohn, gerade 40 Jahre alt geworden, befindet, dass sich in seinem Leben etwas grundlegend ändern muss, beendet kurzerhand seine Karriere als Pornodarsteller auf ihrem Zenit und eröffnet stattdessen einen Laden für Strickwaren mit dem klingenden Namen „Plutos Liebe“. Das Geld dafür streckt die geheimnisvolle Grande Dame der Wiener Unterwelt vor, jedoch unter einer höchst kuriosen Bedingung: Mohn muss das Darlehen auf den Tag genau in sieben Jahren zurückzahlen oder an ebendiesem Tag ein Leben retten. An diesem 14. Juli 2015 soll außerdem eine Sonde der NASA den Planeten Pluto erreichen – alles nur Zufall oder steckt mehr dahinter? Heinrich Steinfest, für seine dichten, spannenden und oftmals skurrilen Krimis schon mehrfach ausgezeichnet, legt mit „Gewitter über Pluto“ neuerlich ein Meisterwerk vor, das den Leser sowohl inhaltlich als auch stilistisch unweigerlich in seinen Bann zieht und sich dank der skurrilen Figuren und liebenswerten Nebenhandlungen auch Lesern erschließt, die mit Krimis sonst wenig am Hut haben.

 

Verlag Piper, 2009.
Gebunden, 400 Seiten,
20,60 Euro,
ISBN 978-3-4920-53105

Die Theater