Faszination Moor
Die Natur ist der unbestrittene Star der Gemeinde Krumbach im Bregenzerwald; sie steht auch im Mittelpunkt der seit Sommer 2009 angebotenen Wanderungen durch die weitläufige Moorlandschaft, die teils unter Naturschutz steht.
Marsch durchs Moor
Gutes Schuhwerk ist Grundvoraussetzung, wenn man eine Moorwanderung plant – egal, ob Sie lieber auf eigene Faust oder in Begleitung eines geschulten Moorführers durch die Landschaft stapfen wollen. Denn es kann immer mal passieren, dass der weiche Boden nachgibt und man bis zu den Knöcheln im Moorwasser versinkt; da sind wasserfeste, trittsichere Schuhe von Vorteil. Um derartige Malheure zu verhindern, sollten Sie vielleicht gleich auf einen der 13 Moorführer zurückgreifen, die über ein Jahr lang ausgebildet wurden und über profundes Wissen in Sachen Geologie, Botanik, Zoologie, Ökologie, Kulturgeschichte und Geomorphologie verfügen. Sie kennen die schönsten Routen durchs Moor und die sichersten Pfade, auf denen Sie trockenen Fußes durch das Moor gelangen.
Wandern statt Baden
Ausgangspunkt für das Projekt war die Überlegung, das Profil der Gemeinde zu schärfen. „Wir wollten uns einfach mit einem besonderen Angebot von den touristischen Mitbewerbern abheben“, erzählt unsere Moorführerin Andrea, während wir von ihrem Floristikfachgeschäft aus die Hügelkuppe hinansteigen, um uns unter fachkundiger Führung das Krumbacher Moor zeigen zu lassen. Von Anfang an habe der Gedanke im Raum gestanden, das Moor in den Mittelpunkt der neuen touristischen Maßnahme zu stellen und es für Einheimische wie Gäste zugänglich zu machen. Zunächst wurde die Idee eines Moorbades diskutiert; da ein Moorbad aber rasch mit Wasserrutsche, Erlebnisbad und dergleichen assoziiert wurde, stieß die Idee auf wenig Zustimmung. Ende 2007 war man sich schließlich darin einig, dass das Moor als Lebens- und Kulturraum zugänglich gemacht werden sollte.
Im Einklang mit der Natur
Das Ergebnis ist ein gut ausgebautes Netz von Wanderwegen durch die Moorlandschaft um Krumbach; die alten roten Sitzbänke wurden durch Moorsitze ersetzt, die sich einerseits hervorragend in die Landschaft einfügen, andererseits Plaketten mit Wissenswertem über das Moor, seine Flora und Fauna aufweisen – man kann sich also gleichzeitig ausruhen und weiterbilden, ohne dass man gleich von Fakten, Daten und Zahlen erschlagen wird. Im Vordergrund steht der Erholungsfaktor, gekoppelt mit dem hervorragend umgesetzten Anspruch, Wissenswertes über das Moor zu vermitteln.
Überlebenskünstler
Nach gut einer Stunde Wanderung durch den Wald sind wir sozusagen im Herzen des Moores angekommen: im Moorraum, einem rechteckigen hölzernen Aussichtspunkt mitten im Moor. Von hier aus kann man die Landschaft überblicken, sich ausruhen, die Natur genießen und sich über das hier besonders weit verbreitete Torfmoos informieren. „Das Torfmoos ist die dominierende Pflanze im Moor“, erzählt Andrea, um gleich noch ein paar interessante Fakten über diese Pflanze nachzuliefern: „Während des Jahres wächst das Torfmoos bis zu 40 cm, aber durch die schwere Schneedecke wird es im Winter auf wenige Millimeter zusammengepresst. Dann stirbt der untere Teil, der sich unter Wasser befindet, ab, und das Moos wächst nur noch oberirdisch weiter.“ Dass diese Pflanze, obwohl sie kaum Nährstoffe aufnehmen bzw. transportieren kann, überhaupt überlebt, versetzt uns in Staunen und, ja, auch ein bisschen Ehrfurcht vor den Überlebensstrategien, die so eine kleine, unscheinbare Pflanze anwendet, um sich unter widrigen Bedingungen zu behaupten.
Moor-Kulinarik
Apropos Pflanzen: Die typischen Pflanzen des Moores wie Mädesüß werden von den Krumbacher Wirten kulinarisch genutzt – sie werden nämlich zur Moorlimonade verarbeitet, die bei Erwachsenen wie Kindern gleichermaßen ein Renner ist. Die vier Betriebe, die sich als Moorwirte bezeichnen, konnten sich 2009 übrigens auch über den Sonderpreis für ein nachhaltiges Tourismusprojekt, verliehen von Vorarlberg Tourismus, freuen. Das Preisgeld haben die Wirte gemeinsam angelegt anstatt es untereinander aufzuteilen; das Resultat ist eine Zucht von Duroc-Schweinen, die saftiges, mürbes Fleisch liefern.
Eine Wanderung durchs Moor ist zu jeder Jahreszeit ein Erlebnis. Besonders farbenfroh präsentiert sich die Vegetation aber natürlich im Sommer bzw. im Herbst. Dennoch: Auch die winterliche, noch von Schnee unberührte Moorlandschaft hat ihren ganz eigenen Reiz, lädt zum Durchatmen und Entspannen ein.
Autor: Susanne Lang
Führungen durch die Krumbacher Moore können das ganze Jahr über bei der Gemeinde Krumbach gebucht werden; sie werden ab zwei Personen durchgeführt (Maximum: 20 Personen), dauern zwischen einer und drei Stunden und kosten je nach Dauer 30 bis 75 Euro. Anmeldungen werden unter der Telefonnummer 05513/8157 bzw. per Mail unter gemeinde@krumbach.at entgegengenommen. Aktuelle Informationen rund um das Moor, die Moorführungen und die Moorwirte finden Sie auf www.moorekrumbach.at
alle Fotos ® 6a, 6b, 6c: Archiv Krumbach Tourismus

