KUNTERBUNTE BLÜTEZEIT

Kunterbunte Blütezeit

Alle Jahre wieder treten Österreichs Museen bzw. deren RepräsentantInnen  vor den Vorhang, um den Frühling mit einem Feuerwerk an attraktiven Ausstellungen zu krönen. „nurKULTUR“  bringt einen duftigen Überblick.

Ein sprichwörtliches Frühlingserwachen herrscht seit einigen Wochen in Österreichs Museenlandschaft. Das Angebot ist bunt und farbenprächtig wie die üppigste Maiwiese. Die Vielfalt ist geprägt von thematischen Schwerpunkten oder raren Schmankerl. Klar, dass die großen Häuser gerade in den Wonnemonaten auf große Namen setzen. Schließlich sollen die Kassen in – zum Teil gewohnter Manier - üppig klingeln. Was Wien und seine Protagonisten wie Klaus-Albrecht Schröder, Agnes Husslein oder - noch vor kurzem -  Wilfried Seipel, aktuell Sabine Haag mit Bravour vorexerzierten, macht inzwischen sogar fürstliche Schule: Nämlich, dass die BesucherInnen – sei es aus dem In- oder Ausland – sehr wohl die Akzeptanz aufbringen, eine Person, nennen Sie es spießig Aushängeschild, nennen Sie es nicht-mehr-ganz-neudeutsch „Testimonial“, mit einem Museum als „Lockvogel“ in liebgewordener Verbindung zu bringen. Je glaubwürdiger dieser Lockvogel, dessen Botschaft dem interessierten Volk ins Ohr zwitschert, desto besser steht „sein/ihr“ Haus in der Gunst des Publikums da. Und wer die einzelnen Herrschaften je bei Pressekonferenzen, bei Eröffnungen oder bloß vor der Kamera parlieren erlebte, weiß, dass hier best ausgebildete, medial geschulte, durchaus auch als „medial ehrgeizig“ zu betrachtende Profis zu Werke schreiten. Bei und vor jeder Ausstellungs-Eröffnung aufs Neue. Stets mit dem Ziel, Zahlen und Besucher bezogen vielleicht noch besser abzuschneiden, als bei der vorhergehenden Ausstellung, zumindest jedoch besser, als der oder die „NachbarIn“.

Bitte vor den Vorhang

Kunterbunte BlütezeitKlaus-Albrecht Schröder, ob seines „Stils“ in und gegenüber der Öffentlichkeit nicht immer ganz unumstritten, brachte – und das muss man ihm einfach lassen – auch das, was die Wiener „Albertina“ zur Zeit bei „Jakob und Rudolf von Alt; Im Auftrag des Kaisers“ (noch bis 24. Mai 2010) zeigt, einmal mehr eloquent und buchstäblich viel sagend auf den Punkt:  
„In der Ausstellung "Jakob und Rudolf von Alt. Im Auftrag des Kaisers“ präsentiert die Albertina 120 Meisterwerke aus der Blütezeit der österreichischen Aquarellmalerei. Im Auftrag von Kaiser Ferdinand I. entstanden zwischen 1830 und 1849 annähernd 300 Stadt- und Landschaftsansichten, die die Schönheiten des Österreichischen Kaiserreiches und der angrenzenden Länder dokumentieren sollten“. Den detailverliebten Kenner wird darüber hinaus interessieren, dass die ausgestellten Werke buchstäblich von den Händen der besten Aquarellisten jener Zeit stammen, darunter Jakob und Rudolf von Alt, Eduard Gurk und Leander Russ. Die Albertina präsentiert somit seinen großformatigen und bildhaften Aquarellschatz, von denen über 170 von Jakob und Rudolf von Alt stammen, erstmals derart umfassend. Dabei bilden die Wiener Vedute um 1800 und ihre städtische bzw. landschaftliche Entwicklung den künstlerischen Ausgangspunkt der sogenannten Guckkastenserie.
Die Albertina erläutert weiter: „Der erste Raum ist diesem Kapitel gewidmet. Danach folgen die ersten Werke der Guckkastenserie, die Wien und Orte der nächsten Umgebung sowie frühe Ansichten aus Österreich zeigen. Sie stammen von Jakob und Rudolf von Alt und sind Beispiele für die "Teamarbeit“ der beiden Künstler, die sich durch die gesamte Guckkastenserie zieht. Alle Blätter sind von Jakob als Auftragnehmer des Hofes signiert. Tatsache ist jedoch, dass von den rund 170 Werken der Alts 46 Rudolf geschaffen hat. Dies wurde 1892 in einem Protokoll festgehalten. Der nächste Raum ist zwei Werkgruppen Eduard Gurks gewidmet: den dramatischen Schilderungen des Wiener Hochwassers von 1830 und den Darstellungen der Wallfahrt nach Mariazell. Es folgen Werke der Alts und Eduard Gurks mit Ansichten aus Böhmen und Mähren. Sodann begleiten wir Jakob und Rudolf von Alt auf ihren Reisen nach Italien, vom Norden über Venedig nach Rom und in die Campagna, bis an die amalfitanische Küste. Ansichten von der dalmatinischen Küste setzen die Reihe der Guckkastenbilder fort. Ihre Präsentation endet mit Darstellungen aus den nordöstlichen Kronländern und Ungarn, Arbeiten von Leander Russ sowie Landschaften aus den Alpengegenden. Den Abschluss bildet ein Ausblick auf das Spätwerk Rudolf von Alts, der unter den am Guckkastenprojekt beteiligten Künstlern zweifellos die bedeutendsten Werke geschaffen hat“. 

Kunterbunte BlütezeitFest steht, dass es in den Archiven zur Serie der Guckkastenblätter weder Entwicklungsgeschichtliches noch Aufzeichnungen über den Verwendungszweck oder die Absichten, die dieses Projekt vorantrieben, zu finden gab. Die heute gängige Bezeichnung „Guckkastenblätter“ entstand  - so wollen es die Lexika - durch die Daten-Interpretationen des wichtigsten Rudolf von Alt-Biografen, Ludwig Hevesi. So soll Kaiser Ferdinand I. für die Betrachtung seiner geliebten Aquarelle einen Kasten mit integriertem Hohlspiegel, an dessen Rückseite die Blätter eingeschoben und von hinten beleuchtet wurden, verwendet haben. Was in weiterer Folge große Lichtschäden und starken Farbabrieb mit sich brachte. Die Albertina-Blätter und jene der Nationalbibliothek allerdings glänzen durch erstaunliche Farbfrische und unversehrte Schönheit...

Die Ankaufspolitik des Hauses Liechtenstein

Kunterbunte BlütezeitDer Kunstfreund weiß: Fürst Hans-Adam II. von und zu Liechtenstein ist im Besitz einer der größten und bedeutendsten Kunstsammlungen der Welt. Meisterwerke europäischer Kunst aus fünf Jahrhunderten von der Frührenaissance bis zum Barock bilden den Kernbestand dieser Privatsammlung. Durch die aktive Ankaufspolitik des heute regierenden Fürsten konnten die Sammlungs-Kammern in den letzten Jahren durch über 700 hochkarätige Neuerwerbungen ergänzt werden.
Seitens offizieller Stelle ist darüber zu erfahren, „schon die Fürsten Karl Eusebius I. und Johann Adam Andreas I. von Liechtenstein bauten noch im 17. Jahrhundert eine der hochkarätigsten Sammlungen flämischer Malerei auf, die in den vergangenen Jahren um herausragende Werke von Quentin Massys bis Peter Paul Rubens erweitert wurde. Die Malerei – vertreten durch Gemälde Alter Meister der wichtigsten europäischen Schulen vom 14. bis zum 18. Jahrhundert sowie großer Künstler des Biedermeier, wie Friedrich von Amerling – bildet bis heute den Kernbestand der Fürstlichen Sammlungen. Viele der Verluste aufgrund von Verkäufen in der Nachkriegszeit wurden durch Neuerwerbungen der letzten Jahre kompensiert, vor allem die Skulpturensammlung wurde durch wichtige Akquisitionen – mit Hauptwerken von Andrea Mantegna, Jacopo Sansovino, Massimiliano Soldani-Benzi bis zu Alessandro Algardi und den Österreichern Georg Raphael Donner und Franz Xaver Messerschmidt – wesentlich aufgewertet. Die unter Kunterbunte BlütezeitFürst Karl I. von Liechtenstein schon zu Beginn des 17. Jahrhunderts begründete Sammlung an Pietra-Dura-Arbeiten konnte durch das bedeutendste Werk, das in den Großherzoglichen Werkstätten in Florenz geschaffen worden ist, das Badminton Cabinet, und andere spektakuläre Zukäufe wie den Kabinettschrank von Melchior Baumgartner zur komplettesten Kollektion ihrer Art abgerundet werden. Auf dem Gebiet der Möbelkunst und des Porzellans wurden vollkommen neue Schwerpunkte gesetzt: durch elegante Boulle- und Röntgenmöbel und mit dem Besten, was auf dem Gebiet des Porzellans des Wiener Klassizismus und Biedermeier auf den Markt gekommen ist. Dies gilt auch für die Grafiksammlung und die Historische Bibliothek. Hier konnten die Bestände ebenso sinnvoll weitergeführt werden“.

Der regierende Sammler-Fürst 

Anlässlich des 65. Geburtstags S.D. Fürst Hans-Adam II. im heurigen Februar werden nunmehr insgesamt rund 140 Meisterwerke im stets würdevollen Rahmen des „Liechtenstein Museum“ präsentiert. Ausgewählte Highlights in den Sonderausstellungsräumen des Museums bieten mit den drei Schwerpunkten Skulptur, Malerei und Möbel einen Einblick in die große Vielfalt der Sammeltätigkeit von Fürst Hans-Adam II., dessen Bestreben es ist, Lücken in bestehenden Sammlungsgebieten zu schließen und die Qualität der Kollektion durch erlesene Ankäufe weiter zu steigern. Ergänzend werden auch im Rahmen der Dauerausstellung zahlreiche Neuerwerbungen und Rückkäufe dem Motto der Sonderausstellung entsprechend in den Bestand integriert und in vielen Fällen erstmals der Öffentlichkeit präsentiert.
Albtraum und Befreiung – Max Ernst in der Sammlung Würth“ würdigt von 12.6.-3.10.2010 den Künstler Max Ernst als einen der bedeutendsten Künstlern des 20. Jahrhunderts. Sein vielfältiges Werk umfasst sowohl Gemälde als auch Skulpturen, Collagen, Frottagen, Druckgrafiken sowie Zeichnungen. Seitens des Lichtenstein-Museums erfährt man dazu: „Die Ausstellung zeigt die im Besitz der Sammlung Würth befindlichen Werke von Max Ernst und ergänzt diese durch herausragende Leihgaben internationaler Kollektionen. Ein Schwerpunkt liegt auf dem druckgrafischen Werk, aber auch Collagen, Skulpturen und Gemälde sind in der Präsentation zahlreich vertreten. Zur Ausstellung erscheint ein umfangreicher Katalog mit Abbildungen aller Werke der Sammlung Würth und einem Text von Werner Spies“.

Der Feldherr Prinz als Philosoph und Kunstfreund

 Kunterbunte Blütezeit
Italienischer Abstammung, Franzose von Geburt, stieg Prinz Eugen von Savoyen (1663-1736) nach seinem kometenhaften Aufstieg und seiner glanzvollen Karriere als Feldherr rasch zu einem der einflussreichsten (Wahl-)Österreicher auf. Als Diplomat und Ratgeber der Kaiser Leopold I., Joseph I. und Karl VI. reiste er quasi von einem Kriegsschauplatz zum anderen und spielte eine maßgebliche Rolle für die Zukunft des Hauses Habsburg. Das formidable Wiener Belvedere - Anfang des 18. Jahrhunderts von Johann Lucas von Hildebrandt als Sommerresidenz für Prinz Eugen errichtet - ist derzeit Schauplatz einer sehenswerten Ausstellung. Dabei wird der Prinz als Feldherr und Staatsmann, der das Geschick des Landes nachhaltig prägte, sowie als Mäzen von Kunst und Wissenschaft gefeiert.

Kunterbunte BlütezeitSeitens des „Belvedere“ ist darüber zu erfahren: „Sein Leben lang widmete sich Prinz Eugen dem Aufbau einer umfangreichen Sammlung von Gemälden und Kupferstichen, Inkunabeln, illuminierten Handschriften und Büchern, die er in seinen Wiener Palais präsentierte. Von wechselnden Kriegsschauplätzen aus korrespondierte er mit Künstlern und Kunsthandwerkern, Gartenarchitekten, Baumeistern und den führenden Köpfen seiner Zeit. Seine Erwerbungen schrieben europäische Kunst- und Kulturgeschichte und förderten den Kunsttransfer vom Hof des französischen Königs Ludwig XIV. nach Wien. Das naturwissenschaftliche Interesse des Prinzen, der sich in diesen Belangen vom Philosophen und Wissenschaftler Gottfried Wilhelm Leibniz beraten ließ, zeigt sich in seiner großen Sammlung exotischer Tiere und Pflanzen. In der Ausstellung werden Exponate seiner Kunstsammlungen, vornehmlich Gemälde der Turiner Galleria Sabauda und Zimelien der Bibliotheca Eugeniana aus der Österreichischen Nationalbibliothek, in Anlehnung an die originalen Raumdekorationen präsentiert. Den Besuchern wird so die komplexe Ausstattung jener Gebäude vermittelt, in denen Prinz Eugen als Präsident des Hofkriegsrats und Mitglied der Geheimen Staatskonferenz höchste Gäste wie die Botschafter des Osmanischen Reichs zur Audienz empfing“.
Das untere Belvedere und die Orangerie widmen einem sprichwörtlichen Riesen unter den Zwergen noch bis 6. Juni eine sehenswerte Tribut-Schau.
 
“Österreich selbst ist nichts als eine Bühne“

Kunterbunte BlütezeitDas Wiener „Theatermuseum“  ermöglicht anlässlich der 20. Wiederkehr des Todestages von Thomas Bernhard einen selten möglichen, umfangreichen Einblick in dessen Theaterschaffen. Eine Konzentration auf die beiden österreichischen Uraufführungsorte seiner Stücke, Salzburg und Wien, ist dabei unübersehbar.
Im Mittelpunkt steht die Entstehungsgeschichte von „Der Ignorant und der Wahnsinnige“ aus dem Jahr 1972, „Die Macht der Gewohnheit“ aus 1974, des Weiteren „Der Theatermacher“ (1985), das großartige „Ritter, Dene, Voss“ (1986) und nicht zuletzt dem Theater-Skandal im Jahr 1988 „Heldenplatz“. In all diesen Werken stehen Kunst und Künstlertum im Fokus einer kunstfeindlichen Zeit. Vergebliches Ringen um Perfektion und Beherrschung, aber auch Macht und Besessenheit spielen weitere tragende Rollen. Und selbstverständlich dreht sich der Handlungsstrang immer wieder um Österreich, seine nationalsozialistische Vergangenheit und ihr Weiterwirken, aber auch um den jeweils aktuellen Zustand des Staates und seiner Protagonisten.
Das „Theatermuseum“ informiert dazu: „Anhand zahlreicher Dokumente aus Bernhards Nachlass, Entwurfszeichnungen und Szenenfotos wird eine der ungewöhnlichsten Karrieren der österreichischen Literatur- und Theatergeschichte nachgezeichnet – zwischen spektakulären Bühnentriumphen und viel diskutierten Skandalen. Dabei wird auch der Anteil der wichtigsten Theaterkünstler an dieser Erfolgsgeschichte sichtbar: die Rolle von Claus Peymann als Regisseur und von Karl-Ernst Herrmann als Bühnenbildner, die Bedeutung von Schauspielern wie Bernhard Minetti, Traugott Buhre, Marianne Hoppe, Kirsten Dene, Bruno Ganz, Wolfgang Gasser, Martin Schwab, Gert Voss usf. Darüber hinaus macht die Ausstellung deutlich, welche Realitätsbereiche in diesen Dramen auf spannungsvolle Weise miteinander in Beziehung gesetzt werden: die Welt des Zirkus, des Theaters, der Musik, aber auch die großbürgerliche Gesellschaft Wiens und die österreichische Politik und Zeitgeschichte – Bernhards letztes Stück Heldenplatz steht für einen der größten Theaterskandale dieses Landes, dessen mediale und politische Inszenierung ausführlich dargestellt wird“.
Manfred Mittermayer und Martin Huber kuratierten die Schau, Peter Karlhuber gestaltete, die Konzeption erfolgte in Kooperation mit dem Thomas-Bernhard-Archiv und der Thomas Bernhard Privatstiftung. Ein Muss für Fans. Eine Empfehlung für all jene, die es noch werden wollen.

Autor: Oliver H. Stadlbauer

 

alle Fotos ®: 44a (Albertina/Mercedes Benz), 44b (© Nachlass Thomas Bernhard, Thomas-Bernhard-Archiv, Gmunden), 44c (Foto Oliver Herrmann/© Archiv des Burgtheaters), 44d + 44e (© Albertina, Wien), 44f + 44g (© Sammlungen des Fürsten von und zu Liechtenstein, Vaduz–Wien), 44h (© Belvedere Wien), 44i (© Galleria Sabauda, Turin)