Donau: Fluch & Segen

Donau: Fluch & Segen

Die Donau kennen die meisten von uns als größten Fluss Österreichs, als wichtige europäische Wasserstraße und Gegenstand eines Walzers. Aber was passiert mit den Menschen, die im Bereich der Donau leben, wenn es zu einem Hochwasser kommt? Wie hat sich der Fluss über die Jahre entwickelt, wie ist es um Flora und Fauna bestellt? All diesen Fragen spürt die länderübergreifende Landesausstellung „Donau. Fluch & Segen“ nach, die von 5. Mai bis 7. November in Ardagger und Ennshafen sowie an Ausstellungsorten in den 18 teilnehmenden Gemeinden erlebt werden kann.

Lebens- und Wirtschaftsraum
Ziel der Ausstellung ist es, den Menschen den Lebens- und Wirtschaftsraum Donau näher zu bringen, aber auch die Zusammenarbeit zwischen Strudengau, Machland, Most- und Mühlviertel soll gestärkt werden. Konsequenterweise sind daher die mit der Ausstellung verbundenen Events wie Donauradfest, ein Treffen von 200 historischen Schiffen, Überfuhrfeste, geführte Touren in den Donauauen sowie Symposien und Tagungen nicht auf einen Ort beschränkt, sondern breit gestreut.

Dennoch stehen vor allem zwei Orte im Mittelpunkt der Landesausstellung, wobei jedem Ort eine spezifische Rolle zugewiesen wird. So dreht sich in Ardagger alles um die Natur, während Ennshafen das Augenmerk auf Wirtschaft, Logistik und Schifffahrt legt.

Kein Eingriff ohne Nebenwirkungen
Im historischen Ardagger Markt, selbst regelmäßig Opfer von Hochwasser, liegt der Schwerpunkt auf dem Naturraum Donau. Den wissenschaftlichen Rahmen bildet dabei die noch junge Forschungsrichtung der Umweltgeschichte. „Jeder menschliche Eingriff in die Donau führt dazu, dass es Gewinner und Verlierer gibt“, erläutert Verena Winiwarter, ihres Zeichens wissenschaftliche Leiterin der Ausstellung in Ardagger Markt. Kein Eingriff sei nur gut oder nur schlecht; das hänge nämlich vom Blickwinkel ab, so die Wissenschaftlerin, die die Ausstellung daher mit Blickwechseln strukturieren möchte – vom Menschen zum Fisch über den Auwald und zurück. Dabei zieht jeder Eingriff in die Natur eine unabsehbare Folge von Nebenwirkungen nach sich.

Sichere Schifffahrt
„Gemeinsam mit den Besucherinnen und Besuchern spüren wir Nebenwirkungen auf und zeigen, dass man aus der Geschichte der Nebenwirkungen für die Zukunft lernen kann“, so Winiwarter. Wie das zu verstehen ist? Ein Beispiel macht deutlich, worauf die Forscherin hinaus will: Im 18. Jahrhundert war die Donau im Raum Ardagger voller Hindernisse für die Schifffahrt. Manche dieser Hindernisse waren so berüchtigt, dass die Schiffer ihnen sogar eigene Namen verpassten, wie z.B. „Holler“ oder „Saurüssel“. Um die Schifffahrt sicherer zu machen, wurde die Donau reguliert. Womit niemand gerechnet hatte, war, dass durch diesen Eingriff neue Hindernisse für die Schifffahrt entstanden, die teilweise noch gefährlicher waren als die behobenen und zahlreiche Havarien forderten. Die Wracks führten wiederum zur Entstehung neuer Inseln, und dadurch verschob sich die Schifffahrtslinie erneut – menschliche Intervention in komplexe Ökosysteme bleibt also nie ohne Folgen, und genau das will Verena Winiwarter in Ardagger Markt vermitteln.

Aktive Einblicke
Einen besonderen Platz in der Ausstellung nimmt die Rekonstruktion des Flussraums seit dem 18. Jahrhundert ein, und auch die Geschichte der Schifffahrt darf natürlich nicht zu kurz kommen. In Ennshafen wird ein alter Schleppkahn zum Ausstellungsort umfunktioniert; die Besucher sollen hier Einblicke in das Leben auf einem Donauschiff und die Tätigkeiten im Hafen erhalten sowie dabei selbst aktiv werden. Zusätzlich gibt es Aussichtsplattformen und Spazierwege in der Aulandschaft, und auch eine Hochwasserdammbaustelle kann in Baumgartenberg live erlebt werden. Für Abwechslung sorgen außerdem Fotos, Bilder, Erinnerungsstücke aus abgesiedelten Häusern, ein Schiffspferdesattel, Fischpräparate und Karten aus Archiven.

Autor: Susanne Lang

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Die länderübergreifende Ausstellung wird vom NÖ. Landesarchiv und der Direktion Kultur OÖ mit Unterstützung der Ennshafengesellschaft und der Marktgemeinde Ardagger organisiert. Die wissenschaftliche Leitung für den Ausstellungsteil in Ardagger Markt liegt bei Univ.-Prof. Dr. Verena Winiwarter, für Ennshafen bei Univ.-Prof. Dr. Karl Vocelka.
Informationen zur Ausstellung finden Sie im Web unter www.donau-ausstellung.at.

 

Fotos © 2a, 2b, 2c: Marktgemeinde Ardagger