Restaurierung der Großen Galerie in Schloss Schönbrunn startet
Bislang größtes Restaurierprojekt in Schloss Schönbrunn startet

In den nächsten zweieinhalb Jahren wird der größte Prunkraum von Schloss Schönbrunn einer Generalsanierung
unterzogen. Das stellt nicht nur in finanzieller, sondern vor allem auch in logistischer Hinsicht ein Mammut-Projekt für
die Schloss Schönbrunn Kultur- und BetriebsgesmbH (SKB) dar. Die Besucherströme dürfen durch die Arbeiten nicht
behindert werden, auch der Raumeindruck dieses imposanten Festsaals soll für die Besucher weitestgehend gewahrt
bleiben. Eine Spezialkonstruktion macht das möglich und lässt die Besucher zudem durch Fenster Einblicke in das
bislang größte Restaurierprojekt in Schloss Schönbrunn gewinnen.
Die Große Galerie misst rund 420 m² und war der zentrale Raum für Repräsentationsveranstaltungen und
Feierlichkeiten in Schloss Schönbrunn. Die hohen Fenster, die Kristallspiegel, die Weiß-Gold-Stuckdekorationen
und die Deckenfresken ließen die Große Galerie zu einem der prächtigsten Rokoko-Festsäle werden. Heute ist die
Große Galerie im Mittelteil des Schlosses ein Besuchermagnet. Rund 1,6 Millionen Besucher bewegen sich jährlich
durch die Schauräume und damit auch durch die Große Galerie. Im Jahresschnitt sind das über 4.000 Menschen
pro Tag, an Spitzentagen kommt es vor, dass bis zu 10.000 Gäste durch die Schauräume gehen. Diese Zahlen stellen schon im Normalbetrieb besondere Anforderungen an den Umgang mit den Besucherströmen, umso
mehr aber noch, wenn zudem Bautätigkeiten anstehen. „Die Restaurierung der Großen Galerie stellte uns vor die Herausforderung, eine langfristige Baustelle im zentralen Teil des Schlosses, der von Tausenden Besuchern
täglich passiert wird, bewerkstelligen zu müssen“, so Schönbrunn-Geschäftsführer Franz Sattlecker. „Der
Anspruch dabei war, die Besucher nicht notgedrungen durch eine Baustelle zu schleusen, sondern trotz der
Arbeiten ein umfassendes Raumerlebnis zu bieten“, so Sattlecker weiter.
Nun erwartet die Besucher eine Baustelle der besonderen Art. Eine großzügige tunnelähnliche Konstruktion
geleitet sie durch den Baustellenbereich. Das Besondere daran: Die Abdeckung aus beschichteten Spanplatten
bietet nicht nur Schutz, sondern auch eine Art zweite Raumhülle. Fotorealistische Darstellungen von Wänden und
Decke auf den Platten gewährleisten, dass das Besuchserlebnis erhalten bleibt und insbesondere die Fresken zur
Gänze erfassbar bleiben. Für diese Darstellungen wurden eigens photogrammetrische Aufnahmen der Original-Wände und Decken angefertigt. „Die Deckenfresken – ansonsten im 9 Meter hohen Raum für das Betrachterauge
relativ weit entfernt – rücken in den Reproduktionen um fast 4 Meter näher an die Besucher heran“, erläutert
Schönbrunn-Geschäftsführer Wolfgang Kippes neue Einblicke in Details, die sich durch die Spezialkonstruktion
ergeben. Weiters werden Sichtfenster eingebaut, die es ermöglichen, die Tätigkeiten der Restauratoren live zu
verfolgen. Mit mehr als sechs Meter Durchgangsbreite ist auch der Aufenthalt von Gruppen problemlos möglich.
Die für die Arbeiten notwendigen Gerüste und eine Arbeitsplattform wurden unmittelbar an den Wänden sowie
unter der Decke errichtet. Der Aufbau erfolgte während der letzten Wochen ausschließlich in den Nachtstunden,
um auch hier Besucherstörungen zu vermeiden.

Erstmals seit mehr als hundert Jahren können so nun alle Vergoldungen und Deckenfresken gereinigt, überarbeitet und – wo notwendig – retouchiert werden. Die Mauersubstanz wird gefestigt und danach die
historische Polierweißfassung rekonstruiert. Die Polierweißfassung wird in drei Schichten aufgetragen und dann
in Handarbeit mit Achatsteinen poliert. „In Summe sind ca. 1.400 m² Wand- und Deckenfläche zu restaurieren,
rund 15 Personen werden über den Restaurierzeitraum ständig beschäftigt sein“, so Kippes. Ab Ende 2012 soll die
Große Galerie dann wieder komplett in alter Leuchtkraft erstrahlen.
Mit diesen Restauriertätigkeiten ist es aber nicht getan, gleichzeitig werden auch sicherheits- sowie
elektrotechnische Vorkehrungen getroffen. Dazu zählt die Erneuerung der Brandmelder ebenso wie die
Sanierung der Elektroleitungen. „In punkto Beleuchtung wird an einem innovativen Konzept gearbeitet, das
Anforderungen der Energieeffizienz möglichst mit historisch-authentischem Raumeindruck zusammenführt“, berichtet Kippes weiter. Die historischen Kronleuchter und der Einsatz geeigneter Leuchtmittel stellen hier eine besondere Aufgabe dar.
Gearbeitet wird im ersten Schritt nur in der Westhälfte der Großen Galerie, sodass die zweite Hälfte
unbeeinträchtigt bleibt. Im Lauf des Jahres 2011 wird dann die Ostseite in Angriff genommen. Die Gesamtkosten der Generalsanierung betragen nach derzeitigen Schätzungen 2,6 Millionen Euro.
alle Fotos ® 16a, 16b; Copyright © 2008 Schloß Schönbrunn Kultur- und Betriebsges.m.b.H., Wien /
Franz Tragner

