Gigantentreffen mit Leonard Cohen

Leonhard Cohen

Einer der ganz Großen der Populär-Musikszene beehrt im wahrsten Sinn des Wortes eine große Bühne. Leonard Cohen gastiert - unter anderem - im Römersteinbruch St. Margarethen. 

Die offizielle Einleitung zu einer klassischen Cohen-Bio liest sich so richtig wie trocken: "Leonhard Cohen ist seit über vier Dekaden einer der wichtigsten und einflussreichsten Songwriter unser Zeit, eine außergewöhnliche Persönlichkeit, dessen Werk im Laufe der Zeit immer mehr an Tiefe gewinnt", wird über einen erzählt, der wie kein Zweiter locker und stets den Spagat zwischen Liebe, Leidenschaft, Spiritualität, Religion oder Macht – also schlichtweg die wesentlichsten Fragen des Lebens, der Menschen an sich schaffte. Der kanadische Songwriter, Lyriker und Romancier verstand es darüber hinaus, diese seine Themen mit Raffinesse und Melancholie in großartige, unverwechselbare Klangstrukturen zu verweben.

Leonhard CohenSchon Cohens erstes Album “Songs of Leonard Cohen” (1967) stellte ein unleugbares großes Talent vor. Nicht nur, dass bereits auf dessen LP-Erstling unsterbliche Songs wie "Suzanne", "Sisters of Mercy", "So Long, Marianne" und "Hey, That's No Way To Say Goodbye" zu finden waren, stellt sich die Frage, wie viele Romanzen zu eben diesen Songs begannen, wie viel Kinder gezeugt wurden, wie viele Herzen zerbrachen, wie viele Tränen flossen. Die sprichwörtlichen Kinder der 70er Jahre können so manches Lied davon (mit)singen. Und hätte Cohen nie ein anderes Album aufgenommen, sein Nimbus war allein durch sein Debütalbum geprägt. Jedoch, es folgten zwei weitere außergewöhnliche Alben “Songs >From a Room” (1969), samt dem Welthit “Bird on the Wire” und ”Songs of Love and Hate” (1971). Spätestens jetzt war seine Größe manifestiert.

Schwer zu sagen, ob es als Vorteil - sicher aber als gutes Vor-Zeichen zu sehen ist, dass Cohen, bevor er sich dem Thema Musik widmete, bereits einen Namen als Schriftsteller fundamentiert hatte. Seine Gedichtsammlungen “Let Us Compare Mythologies” (1956) und “Flowers for Hitler” (1964) sowie einer seiner Romane, “Beautiful Losers” (1966) seien hier stellvertretend erwähnt. "Seitdem überschnitten sich seine literarische und seine musikalische Karriere; in seinen Songs findet man bis heute eine literarische Qualität, die selten in der Popwelt zu finden ist, seine Prosa zeugt von einer Musikalität, die beweist, dass wir es hier mit einem Ausnahmekünstler zu tun haben", heißt es da auf offizieller Seite weiter.

Cohen's 1974er Album, “New Skin for the Old Ceremony”, inklusive "Chelsea Hotel # 2", das als  Erinnerung an seine frühen Jahre in New York City und seine Beziehung mit Janis Joplin zu verstehen ist, lässt daneben erstmals mit einem - durchaus mutiger Einsatz eines Orchesters aufhorchen. Ein bemerkenswerter Kontrapunkt zu den bisher gekannten, abgespeckten Klangstrukturen seiner bisherigen Werke.

Aber schon mit den Alben “Recent Songs” (1979) und “Various Positions” (1984) wandte sich Cohen wieder seinen typischen Klangbildern zu. Dazu hören wir von offizieller Seite: "Obwohl ursprünglich nicht in den USA veröffentlicht, enthält “Various Positions” Cohens wohl bekanntesten Song "Hallelujah", welcher sich seitdem zu einem der beliebtesten und am häufigsten gecoverten Lieder des kanadischen Songwriters entwickelt hat. Die Coverversionen von Jeff Buckley und John Cale sind an dieser Stelle als besonders herausragend anzuführen".

Leonhard CohenErst als sich die schamlos grellen 80er deren wohlverdientem Ende neigten, konnte Cohens Stern wieder heller leuchten. Selbst seine "fanbase" war von Aufwind umweht und so gesellten sich zu den Bewunderern der ersten Stunde mehr und vor allem neue Fans. Diese Gelegenheit, nennen wir sie durchaus Chance, nutzte der inzwischen altersmäßig gereifte stets freundliche Herr mit dem unverwechselbaren Timbre, um mit zwei - für Cohen-Verhältnisse knapp - aufeinander folgenden Alben eine neue Zielgruppe zu binden: das von Synthesizern bestimmte “I'm Your Man” (1988) und das politisch orientierte “The Future” (1992). Für Kritiker, wie Fans zählen beide nicht nur zu den besten, sondern auch zu den cleversten Alben seiner gesamten Laufbahn. Gelang es Cohen doch, dem damals herrschen Zeitgeist auf besondere Art und Weise zu entsprechen.

Nach idyllischen, romantischen, melancholischen bis hin zu exstatischen Jahren auf der griechischen Insel Hydra zog sich der Haltmeister in den folgenden Jahren in ein buddhistisches Kloster zurück, um Zen-Meditation zu betreiben und 1996 gar zum Mönch ernannt zu werden.

Im aktuellen Jahrtausend veröffentlichte Cohen “Ten New Songs" (2001) und “Dear Heather” (2004), sowie “Blue Alert” (2006), "letzteres eine Zusammenarbeit mit seiner ehemaligen Background-Sängerin Anjani Thomas, für die er die Songs geschrieben und gleich selber produziert hat. Alle drei Alben manifestierten erneut seinen Platz im Pantheon der modernen Songwriter", weiß eine Biografie darüber hinaus. Aber auch: "Ausdruck der großen internationalen Anerkennung für diesen außergewöhnlichen Künstler war unter anderem auch die Aufnahme in die "Rock `n´ Roll Hall Of Fame" im März 2008. Die Comeback-Tournee in den vergangenen zwei Jahren, die ihn auch ins schöne Festivalgelände Wiesen geführt hat, avancierte zu einem einzigen Triumph. Überwältigende Reaktionen des Publikums und erstklassige Kritiken begleiteten die Auftritte des Songwriters, Lyrikers und Romanciers mit der unverwechselbaren Stimme".

Mit ausverkauften Konzerten und Tourneen, Dokumentarfilmen, Auszeichnungen und Aufzeichnungen beweist der große Leonhard Cohen, dass man mit 76 klassisch "gut im G´schäft" sein kann. So manches Tribute-Album oder eine Fülle von Künstlern, die schlicht und einfach "heiß" darauf sind, Lieder des Altmeisters aufzunehmen, sind dann auch für einen wahrhaft großen Musiker und Songwriter der schönste Beweis, dass man Erfolg hatte und hat...

Autor: Oliver H. Stadlbauer

Leonhard Cohen

LEONARD COHEN IN ÖSTERREICH:

5. September 2010/ Römersteinbruch St. Margarethen

 

alle Fotos ® 117a, 117b, 117c, 117d: ofs/Ricardo Herrgott, skalarmusic