Heimat im Museum

Ein typisches Bauernhaus im Stil des hinteren Bregenzerwaldes beherbergt das Heimatmuseum Bezau, das einen guten Einblick in traditionelle Wohn- und Lebensverhältnisse gewährt.

Heimatmuseum BezauAuthentische Kultur
Wenn Sie sich für die Kultur des Bregenzerwaldes interessieren, gibt es kaum einen besseren Ort, um darin einzutauchen als das Heimatmuseum Bezau, das in einem rund 400 Jahre alten Bauernhaus untergebracht ist. Die Öffnungszeiten richten sich nach dem Besucherandrang – im Herbst und Winter öffnet das Museum lediglich am Dienstagnachmittag seine Pforten, nicht zuletzt, weil das alte Gebäude nur schlecht beheizt werden kann.Heimatmuseum Bezau

Ich habe Glück und erwische Annelies Bär, die an diesem Tag Dienst hat, gerade noch rechtzeitig – weil an diesem regnerischen Tag eh keiner kommt, will sie eigentlich schon zusperren, erklärt sich aber bereit, mir das Haus trotzdem zu zeigen. Wir beginnen mit einem Gang ums Haus, wo mich Frau Bär auf die baulichen Besonderheiten aufmerksam macht – die Holzschindeln an den Wänden, die ebenfalls hölzernen Schiebefenster, die im Zuge einer Renovierung erneuert wurden. Über den Schopf – eine Art Veranda – gelangt man durch die hölzerne Eingangstür direkt in die Küche mit ihrer offenen Feuerstelle, die gleichzeitig den Lehmofen in der benachbarten Stube beheizt. Hier wurde alles authentisch belassen; anstatt in einem Eingangsbereich wie in anderen Museen befindet man sich hier quasi sofort mittendrin.

Herd der Ringe
„Der hohe Kamin wurde auch zum Räuchern von Wurstwaren benutzt“, erklärt Frau Bär und lenkt meine Aufmerksamkeit sogleich auf die außergewöhnlichen Herdplatten – oder vielmehr Herdringe, denn eiserne Ringe ersetzen die Herdplatte. Der Clou dabei: Je mehr Ringe man entfernt, umso tiefer kann der Topf in die Glut gesenkt werden. Braucht man hingegen nur wenig Hitze, weil ein Gericht auf kleiner Flamme köcheln soll, werden die Ringe einfach wieder eingesetzt, bis der gewünschte Hitzegrad erreicht ist.

Heimatmuseum BezauLinks an die Küche schließt sich die Stube an, die den Dreh- und Angelpunkt des bäuerlichen Lebens bildet. Hier spielt sich fast das gesamte Leben ab: Am Lehmofen werden im Winter die Waschschüsseln aufgestellt für die morgendliche Gesichtswäsche bzw. Rasur – ein eigenes Bad gibt es nämlich nicht. Der große vieleckige Tisch, der sich der Eingangstür gegenüber befindet, bietet Platz für alle Familienmitglieder, eine schwenkbare Lampe über dem Tisch gewährleistet, dass auch jeder genug Licht hat. Der Aufbau der Stube bzw. die Anordnung der Möbel ist dabei in jedem Wälder Bauernhaus gleich – der Herrgottswinkel befindet sich immer diagonal zum Lehmofen.

Was raschelt im Laub?
Das Schlafzimmer der Eltern, „Gado“ genannt, liegt unmittelbar neben der Stube. Die Decke ist, wie übrigens auch in den anderen Räumen, sehr niedrig, und auch das eheliche Bett erscheint einem fast winzig im Vergleich zu den Dimensionen, die ein Bett heute annehmen kann. „Die Bettdecken“, erklärt Frau Bär, während sie die Decken aufschüttelt, „wurden mit Laub gefüllt und nicht, wie wir das kennen, mit Daunen.“ Das Laub wurde natürlich getrocknet und hatte einen riesigen Vorteil: Wenn die Bettdecke mal aus irgendeinem Grund schmutzig wurde, konnte man das Laub einfach wegwerfen und die Decke neu befüllen – was man allerdings ohnehin einmal jährlich gemacht hat.

Hochwertige HandarbeitHeimatmuseum Bezau
Besonders sehenswert ist der erste große Raum im ersten Obergeschoß des alten Hauses: Hier sind regionale Trachten, Hauben und Stickereien ausgestellt, und wer glaubt, dass Trachten schon längst passé sind, der wird hier rasch eines Besseren belehrt. „Die jungen Frauen lernen wieder, selbst zu sticken, tragen auch gern Tracht und geben diese Tradition an ihre Töchter weiter“, erzählt Annelies Bär nicht ohne Stolz. Die Juppe, wie die traditionelle Frauentracht im Bregenzerwald genannt wird, wird auch im Alltag gerne getragen, eignet sich aber ebenso für feierliche Anlässe oder für einen Besuch im Theater. „Man ist damit einfach immer richtig angezogen“, gerät Frau Bär ein wenig ins Schwärmen, und ich kann es ihr nicht verdenken – die Juppe wirkt nämlich sehr bequem, und als ich mir einige Stickereien und Makramee-Arbeiten genauer ansehen darf, verschlägt es mir erst mal die Sprache. Zu winzig sind die Knötchen, die zu komplizierten Mustern verschlungen wurden, als dass sie von Menschenhand gemacht sein können – oder? „Doch“, versichert Frau Bär, „das ist alles Handarbeit.“ Kein Wunder, dass die Frauen des Bregenzerwaldes so stolz auf ihre Trachten sind!

Gut eine Stunde braucht man, um die sehr gut erhaltenen Räume des Museums zu besichtigen. Tipp: Schließen Sie sich unbedingt einer fachkundigen Führung an! Denn die Exponate sind nicht, wie in anderen Museen üblich, beschriftet, und der Besuch des Museums ist in jedem Fall spannender, wenn Sie jemanden an Ihrer Seite haben, der sich gut auskennt und auch etwaige Fragen beantworten kann.

Das Heimatmuseum Bezau ist von Oktober bis Juni dienstags um 14 Uhr geöffnet, von Juli bis September dienstags, donnerstags und samstags jeweils von 15.30 Uhr bis 17.30 Uhr sowie mittwochs von 10 bis 12 Uhr. Für Gruppen ab fünf Personen ist nach Anmeldung eine Besichtigung auch außerhalb der Öffnungszeiten möglich.

Autor: Susanne Lang

 

Heimatmuseum Bezau
Ellenbogen 181
6870 Bezau
Tel.: 05514/2295 (Tourismusbüro Bezau)

 

Fotos © 1a, 1b, 1c, 1d: Tourismusbüro Bezau